Gutes Webdesign folgt Regeln — nicht Geschmack
Innerhalb von Millisekunden entscheidet das Gehirn, ob eine Website vertrauenswürdig wirkt. Erfahren Sie, welche Gestaltungsprinzipien diesen Eindruck steuern — und wie Sie sie für Ihr Unternehmen nutzen.
Was gutes Webdesign ausmacht
Innerhalb von Millisekunden verarbeitet das Gehirn Farben, Layout und Struktur einer Website und bildet einen Eindruck: Wirkt diese Seite professionell? Verstehe ich, worum es geht? Fühle ich mich hier gut aufgehoben? Dieser erste Eindruck ist eine kognitive und emotionale Reaktion — und er basiert fast ausschließlich auf dem Design, nicht auf dem Inhalt.
Gutes Webdesign folgt dabei klaren Regeln, nicht subjektivem Geschmack. Fünf Prinzipien bilden die Grundlage: Responsive Design passt sich automatisch an jede Bildschirmgröße an. Visuelle Hierarchie lenkt den Blick durch große Überschriften, farbliche Akzente und durchdachtes Layout. Weißraum schafft Ruhe und Ordnung. Kontraste heben zentrale Elemente hervor. Und Konventionen — Logo oben links, Menü klar sichtbar, Kontakt im Footer — geben Besuchern Orientierung.
Einfach ist besser
Einer der häufigsten Fehler bei Unternehmenswebsites: zu viel auf einmal zeigen wollen. Reduzierte, gut strukturierte Seiten schaffen eine bessere Nutzererfahrung als vollgepackte Designs mit zu vielen Elementen, Farben und Animationen.
Typografie — warum Schrift mehr ist als Dekoration
Die Schriftwahl beeinflusst, wie Ihre Website wahrgenommen wird. Serifenlose Schriften wie Inter oder Open Sans wirken modern und sachlich. Serifenschriften wie Playfair Display vermitteln Tradition und Vertrauenswürdigkeit. Die Kombination beider Stile — eine für Überschriften, eine für Fließtext — schafft Struktur und Abwechslung.
- Maximal zwei Schriftarten pro Website. Mehr sorgt für Unruhe statt für Vielfalt.
- Mindestens 16 Pixel für Fließtext. Alles darunter ist auf dem Smartphone kaum lesbar.
- 50 bis 75 Zeichen pro Zeile sind der Lesekomfort-Sweetspot. Längere Zeilen ermüden das Auge.
- Ausreichend Zeilenabstand verbessert die Lesbarkeit spürbar — oft mehr als die Schriftgröße selbst.
- Blocksatz vermeiden: Er erzeugt unregelmäßige Wortabstände, die besonders auf kleinen Bildschirmen stören.
- Die Schrift muss sich dynamisch an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen. Was am Desktop gut lesbar ist, braucht auf dem Smartphone möglicherweise andere Proportionen.
Praxis-Tipp
Testen Sie Ihre Website-Texte auf dem Smartphone bei Sonnenlicht. Wenn Sie den Text nicht mühelos lesen können, ist entweder die Schrift zu klein, der Kontrast zu gering oder der Zeilenabstand zu eng.
Farben — Stimmung, Struktur und die 60-30-10-Regel
Farben erzeugen Stimmungen, lenken die Aufmerksamkeit und strukturieren Ihre Seite. Warme Farben wie Rot, Orange und Gelb wirken aktivierend und eignen sich für dynamische Branchen. Kühle Farben wie Blau und Grün beruhigen und vermitteln Seriosität — ideal für Dienstleister, die Vertrauen aufbauen müssen.
Am Anfang steht Ihr Corporate Design: Logo, Schriftarten und Farbwelt sollten aufeinander abgestimmt sein. Daraus leiten Sie das Farbkonzept Ihrer Website ab. Die 60-30-10-Regel ist der einfachste Weg zu einem harmonischen Ergebnis: 60 Prozent der Fläche bekommt Ihre Hauptfarbe als Grundton. 30 Prozent gehen an eine Sekundärfarbe für visuelle Abwechslung und Kontrast. Die letzten 10 Prozent reservieren Sie für eine kräftige Akzentfarbe, die Buttons und Handlungsaufrufe hervorhebt.
Kontrast ist Barrierefreiheit
Zu geringer Kontrast zwischen Text und Hintergrund schränkt die Lesbarkeit ein — nicht nur für Menschen mit Sehbehinderung, sondern für jeden, der bei hellem Sonnenlicht auf ein Tablet schaut. Prüfen Sie Ihre Farbkombinationen mit dem WebAIM Color Contrast Checker (webaim.org).
Layout und visuelle Hierarchie
Das Layout Ihrer Website bestimmt, in welcher Reihenfolge Besucher Informationen aufnehmen. Eine klare visuelle Hierarchie lenkt den Blick gezielt: große Überschriften ziehen die Aufmerksamkeit zuerst an, farbliche Buttons fallen ins Auge, und ein durchdachtes Raster sorgt dafür, dass nichts verloren wirkt.
Jede professionelle Website folgt einer bewährten Grundstruktur. Der Header enthält Logo, Hauptnavigation und gegebenenfalls eine Suchleiste. Der Body-Bereich präsentiert die Hauptinhalte — Texte, Bilder, Formulare, Kalender — so angeordnet, dass Besucher informiert und zu Handlungen motiviert werden. Der Footer bietet Kontaktdaten, Impressum, Datenschutz und wiederkehrende Links. Optional kann eine Sidebar für Untermenüs oder Ankündigungen ergänzen.
- Ein unsichtbares Raster (Grid) richtet Texte, Bilder und Inhalte präzise aus und sorgt für klare visuelle Ordnung — auf jedem Gerät.
- Weißraum ist bewusst eingesetzter Leerraum. Klare Abstände zwischen Elementen erleichtern die Erfassung und geben dem Auge Ruhepunkte.
- Wireframes in der Planungsphase helfen, die Struktur zu testen, bevor Zeit in Design und Programmierung fließt.
- Testen Sie Layouts frühzeitig mit echten Nutzern — was Ihnen logisch erscheint, muss es für Ihre Kunden nicht sein.
Konventionen einhalten
Besucher erwarten bestimmte Dinge an bestimmten Stellen: Logo oben links als Link zur Startseite, Menü klar sichtbar, Kontaktinfos im Footer. Wer diese Konventionen missachtet, verwirrt Besucher — und verwirrte Besucher verlassen die Seite.
Gestaltprinzipien nutzen
Zwei Gestaltgesetze bestimmen, ob Besucher Ihre Website intuitiv verstehen. Das Gesetz der Nähe: Elemente, die räumlich nah beieinander stehen, werden als zusammengehörig wahrgenommen — platzieren Sie Preis und Leistung direkt nebeneinander. Das Gesetz der Ähnlichkeit: Elemente mit gleichem Design gelten als gleichwertig — gestalten Sie alle Service-Karten identisch. Wer gegen diese Prinzipien verstößt, verwirrt Besucher, ohne es zu merken.
Vom Wireframe zum Prototyp — drei Stufen zum fertigen Design
Bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wird, durchläuft ein professionelles Webdesign drei Visualisierungsstufen. Jede Stufe hat einen klaren Zweck — und jede verhindert teure Fehler in der nächsten Phase.
- Wireframe (Drahtgerüst): Platziert Inhaltselemente und definiert das Layout — ohne Farben, ohne Bilder, nur Struktur. Klärt früh, ob die Seitenarchitektur funktioniert.
- Mockup (Modell): Ergänzt Farben, Schriften und Formen — das visuelle Design wird sichtbar, aber noch ohne Funktionalität. Hier entscheiden Sie, wie Ihre Website aussehen wird.
- Prototyp: Eine klickbare, interaktive Version, die Nutzer ausprobieren können, bevor die Website gebaut wird. Deckt Usability-Probleme auf, bevor sie teuer werden.
Diese drei Stufen sind Kommunikationswerkzeuge im Entwicklungsprozess. Sie unterstützen nutzerzentrierte Designentscheidungen und verhindern kostspielige Umbauten. Ein Wireframe kostet eine Stunde, ein Redesign nach dem Launch kostet Wochen.
Praxis-Tipp
Selbst für eine einfache Unternehmenswebsite lohnt sich mindestens ein Wireframe. Zeichnen Sie die Struktur Ihrer wichtigsten Seiten mit Stift auf Papier — Startseite, Leistungsseite, Kontaktseite. Erst wenn die Struktur stimmt, beginnen Sie mit dem Design.
Responsive Design und Call-to-Action-Buttons
Die Mehrheit aller Website-Besuche kommt vom Smartphone. Responsive Design — die automatische Anpassung an jede Bildschirmgröße — ist keine Option mehr, sondern Grundvoraussetzung. Eine Website, die auf dem Smartphone nicht gut funktioniert, verliert die Mehrheit ihrer Besucher.
Ebenso entscheidend sind Ihre Call-to-Action-Buttons. Sie fordern Besucher zu einer konkreten Handlung auf: Kontakt aufnehmen, Termin buchen, Angebot anfordern. Damit sie funktionieren, müssen sie groß genug sein, um wahrgenommen zu werden, sich farblich deutlich vom Hintergrund abheben, klare und handlungsorientierte Worte verwenden und an den richtigen Stellen platziert sein — im sichtbaren Bereich und nach wichtigen Informationen.
- Testen Sie Ihre Website auf mindestens drei Geräten: einem Smartphone, einem Tablet und einem Desktop-Bildschirm.
- Buttons mit vagem Text wie „Mehr erfahren“ sind schwächer als „Kostenlose Beratung anfragen“. Der Button-Text sollte sagen, was als Nächstes passiert.
- Platzieren Sie den wichtigsten CTA im sichtbaren Bereich jeder Seite — der Besucher sollte nicht scrollen müssen, um handeln zu können.
- Ein orangefarbener Button auf grauem Hintergrund fällt auf. Ein grauer Button auf grauem Hintergrund verschwindet. Kontrast ist alles.
CTA-Platzierung
Platzieren Sie Handlungsaufrufe nicht nur am Ende der Seite. Nach jedem inhaltlichen Abschnitt, der einen Besucher überzeugen könnte, sollte die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme direkt verfügbar sein. Wer bereit ist zu handeln, sollte nicht erst suchen müssen.
Bilder — warum Authentizität gewinnt
Bilder sind mehr als Dekoration. Sie transportieren Emotionen, lenken den Blick und vermitteln Botschaften schneller als jeder Text. Doch die Qualität entscheidet: unscharfe oder unpassende Bilder schaden mehr als sie nützen.
Für lokale Unternehmen in Weimar gilt besonders: Authentische Fotos überzeugen mehr als Stockbilder. Ein echtes Bild von Ihrem Team, Ihrem Laden oder Ihrer Werkstatt schafft Vertrauen und Wiedererkennungswert. Stockfotos mit perfekt gestylten Models in sterilen Büros wirken austauschbar und sagen nichts über Ihr Unternehmen aus.
- Investieren Sie in einen professionellen Fototermin. Die Bilder nutzen Sie für Website, Social Media und Printmaterial — das lohnt sich.
- Halten Sie einen einheitlichen Bildstil ein: ähnliche Farbstimmungen, gleiche Bildformate, konsistente Abstände.
- KI-generierte Bilder können kreativ sein, zeigen aber nicht die Individualität Ihres Unternehmens. Nutzen Sie sie höchstens als Ergänzung, nicht als Ersatz.
- Komprimieren Sie Bilder für schnelle Ladezeiten. Moderne Formate wie WebP bieten hohe Qualität bei kleiner Dateigröße.
Bildrechte beachten
Verwenden Sie nur Bilder, für die Sie die Nutzungsrechte haben. Das gilt für Stockfotos genauso wie für Bilder von Kunden oder Mitarbeitern. Bei Bildern von Personen brauchen Sie deren Einwilligung — besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der erste Eindruck entsteht in Millisekunden — er basiert auf Design, nicht auf Inhalt. Professionelle Gestaltung schafft sofort Vertrauen.
- Maximal zwei Schriftarten, mindestens 16 Pixel für Fließtext und 50 bis 75 Zeichen pro Zeile — das sind die Grundregeln lesbarer Typografie.
- Die 60-30-10-Farbregel sorgt für ein harmonisches Erscheinungsbild: 60 Prozent Hauptfarbe, 30 Prozent Sekundärfarbe, 10 Prozent Akzentfarbe.
- Weißraum ist kein verschwendeter Platz, sondern ein Gestaltungselement. Vollgepackte Seiten überfordern und vertreiben Besucher.
- Responsive Design ist Pflicht: Ihre Website muss auf Smartphone, Tablet und Desktop gleichermaßen gut funktionieren.
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