Online-Recht — was Sie als Unternehmer wissen müssen
Impressum, Datenschutz, Bildrechte, Werberecht — die rechtlichen Anforderungen an Websites und Online-Marketing sind vielfältig. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt und wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden.
Warum Online-Recht jedes Unternehmen betrifft
Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte zu Ihrer konkreten Situation wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt.
Die wichtigste Regel im Online-Recht ist einfach: Was offline gilt, gilt prinzipiell auch online. Wettbewerbsrecht, Urheberrecht, Markenrecht und Datenschutz gelten für Ihre Website genauso wie für Ihren Laden. Der Unterschied: Online sind Verstöße leichter nachweisbar — und die Konsequenzen können empfindlich sein.
Abmahnungen wegen fehlerhafter Impressumsangaben, Bußgelder bis 50.000 Euro für Verstöße gegen die Impressumspflicht und DSGVO-Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes — das klingt nach Großkonzern-Problemen. Aber Abmahnungen treffen überproportional häufig kleine Unternehmen, weil sie die rechtlichen Anforderungen nicht kennen.
Kein rechtsfreier Raum
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Jede geschäftliche Website, jedes Social-Media-Profil und jede Werbekampagne unterliegt einer Reihe von Gesetzen. Unwissenheit schützt nicht vor Abmahnungen — aber Grundwissen schützt vor den häufigsten Fehlern.
Der rechtliche Rahmen — welche Gesetze Sie kennen sollten
Für Online-Marketing in Deutschland sind mehrere Gesetze relevant. Sie müssen nicht jedes im Detail kennen — aber Sie sollten wissen, welche Bereiche geregelt sind und wo die typischen Fallstricke liegen.
- UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb): Schützt vor irreführender und aggressiver Werbung. Betrifft jede Form der Online-Werbung.
- DSGVO und BDSG: Die Datenschutz-Grundverordnung und das Bundesdatenschutzgesetz regeln den Umgang mit personenbezogenen Daten — Cookie-Banner, Kontaktformulare, Newsletter, Tracking.
- TMG (Telemediengesetz): Regelt die Impressumspflicht für alle geschäftlichen Online-Auftritte.
- UrhG (Urheberrechtsgesetz): Schützt Texte, Bilder, Videos und Musik. Betrifft jedes Bild auf Ihrer Website.
- MarkenG (Markengesetz): Schützt eingetragene Marken. Relevant für SEO, Google Ads und Domain-Wahl.
Für lokale Unternehmen
Die häufigsten Abmahn-Gründe bei kleinen Unternehmen sind: fehlendes oder fehlerhaftes Impressum, unerlaubte Bildnutzung, fehlende Datenschutzerklärung und unzulässige Werbung per E-Mail. Diese vier Bereiche sollten Sie als Erstes prüfen.
Impressumspflicht — die häufigste Falle
Jede geschäftlich betriebene Website braucht ein Impressum. Das gilt auch für Blogs, Facebook-Seiten und Instagram-Profile, wenn sie geschäftlichen Zwecken dienen. Das Impressum muss leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein.
- Name und Anschrift des Unternehmens (keine Postfachadresse)
- Rechtsform und vertretungsberechtigte Person (bei juristischen Personen)
- E-Mail-Adresse für schnelle elektronische Kontaktaufnahme
- Handelsregister-Eintrag und Registernummer (falls vorhanden)
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (falls vorhanden)
- Aufsichtsbehörde (bei genehmigungspflichtigen Tätigkeiten)
- Bei reglementierten Berufen: Kammer, Berufsbezeichnung, Staat der Verleihung
Praxis-Tipp
Verlinken Sie Ihr Impressum im Footer jeder Seite — nicht versteckt in einem Untermenü. Bei Social-Media-Profilen gehört der Link ins Info-Feld. Nutzen Sie einen Impressums-Generator als Ausgangspunkt, aber lassen Sie das Ergebnis von einem Anwalt prüfen.
Urheberrecht — Bilder, Texte und Links
Das Urheberrecht ist der zweithäufigste Abmahn-Grund für kleine Unternehmen. Texte sind als Sprachwerk geschützt — fremde Texte dürfen nicht ohne Erlaubnis übernommen werden. Fotos genießen mindestens 50 Jahre Schutz ab Veröffentlichung. Und auch KI-generierte Bilder sind urheberrechtlich nicht unproblematisch.
- Texte: Fremde Texte nicht kopieren. Erlaubt sind: Pressemitteilungen (einfache Tatsachenmeldungen), kurze Zitate mit Quellenangabe für eine inhaltliche Auseinandersetzung, eigene Zusammenfassungen als Inspiration.
- Bilder: Prüfen Sie die Lizenzbedingungen jedes Bildes. Stockfoto-Lizenzen gelten oft nur für bestimmte Nutzungsarten. Alternative: Creative-Commons-Bilder mit korrekter Namensnennung.
- Personenfotos: Personen dürfen nur mit Einwilligung abgebildet werden (Recht am eigenen Bild). Holen Sie für Mitarbeiterfotos eine schriftliche Einwilligung ein.
- Links: Das Setzen von Links ist grundsätzlich erlaubt — auch Deep Links auf Unterseiten. Haftung entsteht nur, wenn Sie sich den verlinkten Inhalt zu eigen machen.
Teurer Fehler
Ein einziges Foto ohne gültige Lizenz kann eine Abmahnung von mehreren tausend Euro kosten. Investieren Sie lieber in eigene Fotos oder lizenzierte Stockbilder, als ein Bild von Google zu kopieren.
Rechtliche Besonderheiten der einzelnen Marketing-Kanäle
Jeder Marketing-Kanal bringt eigene rechtliche Anforderungen mit. Hier die wichtigsten Regeln für die gängigsten Kanäle:
- SEO: Fremde Markennamen dürfen nicht in Meta-Tags oder als versteckter Text verwendet werden — das ist eine Markenrechtsverletzung, unabhängig von der Unternehmensgröße.
- Google Ads (SEA): Konkurrenz-Markennamen als Keywords zu buchen ist unter Bedingungen erlaubt — aber der Markenname darf nicht im Anzeigentext erscheinen.
- Display-Werbung: Banner müssen klar als Werbung erkennbar sein. Fake-Banner (z.B. als Systemmeldung getarnt) sind verboten. Werbung, die nicht geschlossen werden kann, gilt als unzumutbare Belästigung.
- E-Mail-Marketing: Werbemails nur mit ausdrücklicher vorheriger Einwilligung (Double-Opt-in). Ausnahme: Bestandskunden für ähnliche Produkte mit einfacher Abmeldemöglichkeit.
- Affiliate-Marketing: Der Händler haftet für Rechtsverstöße seiner Affiliates — auch für markenrechtlich problematische Meta-Tags oder unerlaubte Werbe-Mails.
Praxis-Empfehlung
Lassen Sie Ihre Website einmal jährlich auf rechtliche Konformität prüfen — Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Handling, Bildlizenzen. Das kostet wenig und kann teure Abmahnungen verhindern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was offline gilt, gilt auch online — Wettbewerbs-, Urheber- und Markenrecht gelten für Ihre Website genauso wie für Ihr Geschäft.
- Ein fehlendes oder fehlerhaftes Impressum ist der häufigste Abmahn-Grund bei kleinen Unternehmen — und mit wenig Aufwand vermeidbar.
- Ein einziges Foto ohne gültige Lizenz kann eine Abmahnung von mehreren tausend Euro kosten — investieren Sie in eigene oder korrekt lizenzierte Bilder.
- Bei Google Ads dürfen Sie Konkurrenz-Markennamen als Keywords buchen, aber niemals im Anzeigentext verwenden.
- Lassen Sie Ihre Website jährlich auf rechtliche Konformität prüfen — Impressum, Datenschutz, Cookies und Bildlizenzen.
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