E-Commerce — Wie die Digitalisierung Kaufen und Verkaufen verändert
Amazon, Lieferando, Online-Buchung: Das Kaufverhalten Ihrer Kunden hat sich fundamental verändert. Das betrifft auch lokale Unternehmen in Weimar — aber anders, als Sie vielleicht denken.
Was ist Dematerialisierung — und was bedeutet Zero Gravity?
Dematerialisierung beschreibt einen fundamentalen Wandel: Produkte, Dienste und Prozesse, die früher physisch waren, werden digital. Der Katalog wird zur Website. Die Kassette wird zum Streaming-Dienst. Das Branchenbuch wird zu Google. Dieser Trend macht auch vor lokalen Unternehmen in Weimar nicht halt.
Der Begriff 'Zero Gravity' — zu Deutsch 'Schwerelosigkeit' — beschreibt die Konsequenz: Digitale Produkte und Dienste haben kein Gewicht, keine Lagerkosten und keine geographischen Grenzen. Ein Online-Shop kann weltweit verkaufen, ein Online-Kurs kann tausend Teilnehmer gleichzeitig haben, eine digitale Speisekarte kostet nichts in der Aktualisierung.
Beispiele für Dematerialisierung
Gedruckter Katalog → Website mit Suchfunktion. Terminkalender aus Papier → Online-Buchungssystem. Barzahlung → Kartenzahlung und PayPal. Beratungsgespräch vor Ort → Videocall. Jede dieser Veränderungen senkt Kosten und erhöht die Bequemlichkeit für den Kunden.
Wie sich Kaufen und Verkaufen verändert hat
Die Digitalisierung des Kaufens und Verkaufens betrifft nicht nur Onlineshops. Sie verändert die Erwartungen Ihrer Kunden grundlegend — auch dann, wenn sie am Ende lokal bei Ihnen kaufen. Die große Mehrheit aller Kaufentscheidungen beginnt heute mit einer Online-Recherche. Ihr Kunde hat sich informiert, bevor er Ihr Geschäft betritt.
- Preisvergleich in Echtzeit: Kunden können jeden Preis sofort online prüfen. Lokale Betriebe konkurrieren nicht nur mit dem Nachbarn, sondern mit dem gesamten Internet.
- Bewertungen als Kaufentscheidung: Die meisten Verbraucher vertrauen Online-Bewertungen. Wer keine hat oder nur schlechte, verliert Kunden an besser bewertete Wettbewerber.
- Erwartung von Bequemlichkeit: Amazon hat die Messlatte gesetzt — schnelle Lieferung, einfache Rückgabe, 24/7 verfügbar. Kunden übertragen diese Erwartungen auf alle Geschäfte.
- Hybrides Verhalten: Kunden recherchieren online und kaufen offline (ROPO — Research Online, Purchase Offline). Oder sie probieren im Laden an und bestellen online günstiger (Showrooming).
Die unbequeme Wahrheit
Der Einzelhandel in der Weimarer Innenstadt konkurriert nicht primär mit dem Geschäft nebenan, sondern mit Amazon Prime. Die Gastronomie konkurriert mit Lieferando. Der Handwerker konkurriert mit MyHammer. Das bedeutet nicht, dass lokale Betriebe verloren haben — aber sie müssen ihre Stärken digital sichtbar machen.
Lokaler Handel gegen Plattformen — Ihre Stärken ausspielen
Lokale Unternehmen können Amazon, Lieferando oder Booking.com nicht im Preis oder in der Bequemlichkeit schlagen. Aber sie haben andere Stärken, die Plattformen nicht bieten können: persönliche Beratung, sofortige Verfügbarkeit, Vertrauen durch Nähe und lokale Expertise. Die Herausforderung ist, diese Stärken digital sichtbar zu machen.
- Persönliche Beratung: Ein Fachhändler in Weimar kann individuell beraten — Amazon kann das nicht. Aber diese Beratungskompetenz muss auf der Website und in Google-Bewertungen sichtbar werden.
- Sofortige Verfügbarkeit: Kein Versandwarten, kein Paketstress. 'Jetzt im Laden abholen' ist ein echter Vorteil — wenn der Kunde weiß, dass der Artikel vorrätig ist.
- Vertrauen durch Nähe: Ein Handwerker aus Weimar ist greifbar. Er kommt wieder, wenn etwas nicht stimmt. Diese lokale Verlässlichkeit muss kommuniziert werden — über Bewertungen, Referenzen und persönliche Geschichten.
- Erlebnischarakter: Ein Besuch im lokalen Buchladen, ein Kaffee beim Bäcker, die Beratung im Fachgeschäft — das sind Erlebnisse, die online nicht replizierbar sind.
Click & Collect als Brücke
Click & Collect verbindet die Bequemlichkeit des Online-Shoppings mit den Stärken des lokalen Handels: Online bestellen oder reservieren, im Laden abholen. Keine Versandkosten, kein Warten, persönlicher Kontakt. Selbst ohne vollwertigen Online-Shop können Sie Produkte auf der Website zeigen und Reservierungen annehmen.
Plattformen nutzen, ohne abhängig zu werden
Plattformen wie Lieferando, MyHammer oder Booking.com können ein schneller Einstieg in den digitalen Markt sein. Aber sie haben ihren Preis: Provisionen von 15 bis 30 Prozent, keine Kontrolle über die Kundendaten und Abhängigkeit von den Spielregeln eines fremden Unternehmens.
- Plattformen als Einstieg: Nutzen Sie Plattformen, um neue Kunden zu erreichen, die Sie sonst nie gefunden hätten. Aber betrachten Sie es als Marketingkanal, nicht als Geschäftsmodell.
- Kunden auf eigene Kanäle führen: Jeder Plattform-Kunde sollte perspektivisch ein Direktkunde werden. Visitenkarte bei der Lieferung, Bewertungs-Bitte mit Link zur eigenen Website, Newsletter-Anmeldung.
- Parallel eigene Präsenz aufbauen: Investieren Sie in Ihre eigene Website, Ihr Google-Profil, Ihre E-Mail-Liste. Das gehört Ihnen — eine Plattform kann morgen ihre Bedingungen ändern.
- Kosten kennen: Rechnen Sie ehrlich: Was zahlen Sie an Provision? Lohnt sich der Kanal, oder fressen die Gebühren Ihre Marge? Ein eigener Online-Bestellweg kostet einmalig, aber spart dauerhaft.
Die Plattform-Falle
Restaurants, die 100 Prozent ihres Online-Geschäfts über Lieferando abwickeln, zahlen 15 bis 30 Prozent Provision auf jeden Umsatz — bei ohnehin niedrigen Margen. Die eigene Website mit Online-Bestellung kostet einmalig 1.500 bis 3.000 Euro und spart langfristig tausende Euro pro Jahr.
E-Commerce für lokale Unternehmen — Was sinnvoll ist
Nicht jedes lokale Unternehmen braucht einen Online-Shop. Aber jedes Unternehmen muss verstehen, wie digital informierte Kunden kaufen, und sich darauf einstellen. Die richtige E-Commerce-Strategie hängt von Ihrer Branche, Ihren Produkten und Ihren Kunden ab.
- Dienstleister (Handwerker, Ärzte, Berater): Kein Shop nötig. Stattdessen: professionelle Website mit Online-Terminbuchung, Leistungsbeschreibung und Kontaktformular.
- Einzelhandel mit versandfähigen Produkten: Online-Shop sinnvoll, wenn Sie über Weimar hinaus verkaufen wollen. Alternativ: Produkte auf der Website zeigen, Bestellung per Telefon oder E-Mail.
- Gastronomie: Eigene Online-Bestellung auf der Website statt nur Lieferando. Digitale Speisekarte, Reservierungssystem, Gutscheinverkauf.
- Einzelhandel mit lokaler Kundschaft: Click & Collect, Online-Reservierung, Produktkatalog auf der Website. Nicht alles muss ein Shop sein.
Fangen Sie einfach an
Bevor Sie tausende Euro in einen Online-Shop investieren, testen Sie die Nachfrage: Zeigen Sie Produkte auf Ihrer Website oder Instagram, nehmen Sie Bestellungen per WhatsApp oder E-Mail entgegen. Wenn das funktioniert, lohnt sich die Investition in einen richtigen Shop.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die große Mehrheit aller Kaufentscheidungen beginnt mit einer Online-Recherche — auch wenn am Ende lokal gekauft wird.
- Zero Gravity: Digitale Produkte und Dienste haben keine geographischen Grenzen, aber lokale Betriebe haben den Vorteil der Nähe.
- Sie müssen nicht zwingend einen Online-Shop eröffnen — aber Ihre Kunden müssen Sie online finden und kontaktieren können.
- Hybride Modelle wie Click & Collect oder Online-Reservierung verbinden die Stärken von online und offline.
- Plattformen wie Lieferando oder MyHammer können Einstieg sein, aber die eigene Website bleibt Ihr wichtigstes digitales Eigentum.
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