Reputation ist das Kapital einer Kanzlei. PR schützt und vermehrt es.
In einer Branche, in der Vertrauen alles ist, entscheidet die öffentliche Wahrnehmung über Mandatsgewinnung und Talentakquise. Professionelle Kommunikation ist kein Nice-to-have, sondern Risikomanagement.
Reputation: Der Kernwert einer Kanzlei
Für Kanzleien ist Reputation nicht ein weicher Faktor unter vielen — sie ist das Fundament des Geschäftsmodells. Mandanten können die Qualität einer Rechtsberatung vorab nicht beurteilen. Sie orientieren sich an dem, was sie über eine Kanzlei hören, lesen und wahrnehmen. Jede Interaktion, jede Veröffentlichung, jede Google-Bewertung formt dieses Bild.
Dabei gilt: Externe Kommunikation kann nur transportieren, was intern tatsächlich vorhanden ist. Mangelnde Wertschätzung, chaotische Prozesse, unklare Zuständigkeiten — das alles sickert über Bewertungsportale, Mitarbeiterfluktuation und persönliche Netzwerke nach außen. Deshalb beginnt professionelle Kommunikation nicht mit einer Pressemitteilung, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der eigenen Organisation.
Warum Kanzleien anders sind
Drei Besonderheiten machen Kommunikation für Kanzleien anspruchsvoll: Es ist People Business — die Marke ist untrennbar mit einzelnen Personen verbunden. Juristen sind auf Präzision trainiert, nicht auf zugängliche Sprache. Und die Partnerschaftsstruktur bedeutet, dass jeder Partner potenziell als Sprecher der Kanzlei wahrgenommen wird.
Mit Journalisten arbeiten: Was Anwälte oft falsch machen
Die Zusammenarbeit zwischen Juristen und Journalisten ist ein natürliches Spannungsfeld: Anwälte wollen Präzision, Journalisten wollen Verständlichkeit. Anwälte prüfen jeden Satz dreimal, Journalisten haben Deadlines in Stunden. Wer diese Unterschiede versteht, kann daraus eine produktive Zusammenarbeit machen.
- Schnell reagieren: Wenn ein Journalist anruft, zählen Stunden, nicht Tage. Wer nicht rechtzeitig antwortet, kommt nicht vor.
- Einfache Sprache: Kein Passiv, kein Nominalstil, keine juristischen Abkürzungen. "Der Vermieter muss die Heizung reparieren" statt "Die Instandsetzungspflicht obliegt dem Vermieter gemäß § 535 Abs. 1 S. 2 BGB".
- Kurz fassen: Eine Pressemitteilung hat maximal eine Seite. Ein O-Ton hat zwei bis drei Sätze. Länge ist kein Qualitätsmerkmal.
- Zitierfähige Aussagen liefern: Journalisten brauchen Sätze, die sie direkt verwenden können. Üben Sie, komplexe Sachverhalte in einem verständlichen Satz zusammenzufassen.
Was eine gute Geschichte ausmacht
Drei Kategorien funktionieren: Aktuelle Rechtsthemen, zu denen Sie als Experte Stellung beziehen können. Branchen-News mit regionaler Relevanz. Und menschliche Geschichten aus der Praxis — natürlich anonymisiert. Reine Selbstdarstellung ("Kanzlei XY feiert Jubiläum") ist keine Nachricht.
Kommunikationsinfrastruktur aufbauen
Professionelle Kommunikation braucht eine Infrastruktur — nicht unbedingt eine große, aber eine durchdachte. Vier Erfolgsfaktoren sind entscheidend:
- Verantwortlichkeit: Eine Person muss für Kommunikation zuständig sein — auch wenn es nur ein kleiner Teil ihrer Rolle ist. Ohne klare Zuständigkeit passiert nichts.
- Kernbotschaften: Was sind die drei bis fünf Sätze, die Ihre Kanzlei beschreiben? Diese Botschaften sollten jeder Partner und jeder Associate kennen und konsistent verwenden können.
- Kontakte: Ein gepflegter Verteiler mit relevanten Journalisten, Multiplikatoren und Branchenkontakten. Qualität vor Quantität — fünf gute Kontakte sind besser als hundert Massenmails.
- Prozesse: Wer gibt Presseanfragen frei? Wie schnell muss reagiert werden? Was passiert bei einer Krise? Diese Fragen sollten geklärt sein, bevor sie akut werden.
Die externe und interne Kommunikation sollten aufeinander abgestimmt sein. Was Sie nach außen kommunizieren, müssen Ihre Mitarbeiter kennen — sonst entstehen Widersprüche, die Vertrauen kosten.
Krisenkommunikation: Vorbereitet sein, bevor es brennt
Krisen kommen ohne Vorwarnung — ein unzufriedener Mandant geht an die Presse, ein interner Konflikt wird öffentlich, eine Fehlentscheidung gerät in die Schlagzeilen. Wer in diesem Moment erst anfängt, über Kommunikation nachzudenken, hat bereits verloren.
- Krisenplan erstellen: Wer spricht für die Kanzlei? Wer entscheidet über Stellungnahmen? Wer ist der Backup-Sprecher?
- Kernbotschaften vorbereiten: Drei bis vier Sätze, die in jeder Krise als Grundlage dienen ("Wir nehmen die Vorwürfe ernst...", "Wir klären den Sachverhalt...").
- Schnell und sachlich reagieren: Schweigen wird als Schuldeingeständnis interpretiert. Eine kurze, sachliche Stellungnahme ist besser als gar keine.
- Nicht öffentlich streiten: Gegenangriffe auf Journalisten oder Kritiker verschlimmern die Situation fast immer.
Online-Reputation
Krisen spielen sich heute vor allem online ab — in Google-Bewertungen, auf Social Media, in Foren. Monitoring gehört zur Krisenvorbereitung: Wissen Sie, was über Ihre Kanzlei im Netz steht? Google Alerts für Ihren Kanzleinamen sind ein einfacher erster Schritt.
Regionale PR: Der direkte Weg zu Sichtbarkeit
Für Kanzleien in Weimar und Thüringen ist regionale PR der effizienteste Kommunikationskanal. Die Hürden sind niedriger als bei überregionalen Medien, die Konkurrenz um Aufmerksamkeit geringer und die Zielgruppe direkter erreichbar.
- Gastbeiträge in der regionalen Zeitung: Zu aktuellen Rechtsthemen mit lokalem Bezug. Nicht als Werbung, sondern als nützliche Information für Leser.
- Expertenkommentare: Wenn ein regionales Thema Rechtsfragen aufwirft, bieten Sie sich als Ansprechpartner an. Schnelligkeit ist hier der Schlüssel.
- Veranstaltungsberichte: Ihre Mandantenseminare, IHK-Vorträge oder Pro-Bono-Engagements sind Anlässe für lokale Berichterstattung.
- Kooperationen: Mit der IHK, Handwerkskammer, Wirtschaftsförderung oder lokalen Unternehmensverbänden — gemeinsame Veranstaltungen erzeugen gemeinsame Berichterstattung.
Der Aufwand ist überschaubar: ein Gastbeitrag pro Quartal, ein bis zwei Expertenkommentare bei aktuellen Anlässen, eine gute Beziehung zum lokalen Wirtschaftsjournalisten. Das genügt, um in einem regionalen Markt als die Kanzlei wahrgenommen zu werden, die etwas zu sagen hat.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Reputation ist der Kernwert einer Kanzlei. Interne Schwächen — von chaotischen Prozessen bis zu schlechter Stimmung im Team — spiegeln sich über kurz oder lang im Außenauftritt wider. Kein Marketing kann das überspielen.
- Journalisten brauchen schnelle Antworten in einfacher Sprache. Die typischen Juristenfehler: Passivkonstruktionen, Nominalstil, Abkürzungen und keine Rücksicht auf Deadlines.
- Gute Pressearbeit beginnt mit einer guten Geschichte. Drei Kategorien funktionieren: aktuelle Rechtsthemen, Branchen-News und menschliche Geschichten aus der Praxis.
- Krisenkommunikation muss vorbereitet sein, bevor die Krise eintritt. Ein klarer Prozess, ein Sprecher und vorformulierte Kernbotschaften sparen im Ernstfall wertvolle Zeit.
- Für regionale Kanzleien sind lokale Medien der direkteste Weg zu Sichtbarkeit: Gastbeiträge, Expertenkommentare und Veranstaltungsberichte.
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