Die Kanzlei-Website: Ihr wichtigstes Marketing-Instrument.
Alle Wege führen zur Website — ob Google-Suche, Empfehlung oder Visitenkarte. Wenn Ratsuchende dort nicht in Sekunden Vertrauen fassen, war jede vorherige Maßnahme umsonst.
Warum eine Kanzlei-Website heute Pflicht ist
Es spielt keine Rolle, wie Ratsuchende zum ersten Mal von Ihrer Kanzlei erfahren — ob durch Empfehlung, Visitenkarte oder einen Vortrag. Der nächste Schritt ist fast immer derselbe: Sie googeln Ihren Namen. Was sie dort finden (oder nicht finden), entscheidet darüber, ob sie Kontakt aufnehmen.
Das gilt nicht nur für die Mandantengewinnung. Auch bei der Personalakquise schauen sich junge Juristinnen und Juristen, Steuerfachangestellte und Referendare online um, bevor sie sich bewerben. Eine veraltete oder fehlende Website hinterlässt einen unprofessionellen Eindruck — und Sie verlieren Talente, ohne es zu merken.
Aus der Praxis
Eine Steuerberaterin mit veralteter Website bekam monatelang keine Bewerbungen auf offene Stellen. Nach dem Relaunch mit modernem Design und Teameinblicken waren die Positionen innerhalb weniger Wochen besetzt.
Deshalb steht die Website am Anfang, nicht am Ende Ihrer Online-Strategie. SEO bringt Besucher, Google Ads erzeugt Klicks, Social Media weckt Interesse — aber all das endet auf Ihrer Website. Wenn Ratsuchende dort nicht überzeugt werden, verbrennen Sie Budget für Sichtbarkeit, die ins Leere läuft.
Onepager oder Website mit Unterseiten?
Die erste Entscheidung bei der Website-Planung: Soll es ein Onepager sein oder eine klassische Website mit mehreren Unterseiten? Beide Varianten haben ihre Berechtigung — die richtige Wahl hängt von Ihrer Situation ab.
Ein Onepager fasst alle Inhalte auf einer einzigen Seite zusammen. Die Navigation springt zu den verschiedenen Abschnitten, ergänzt um die rechtlich notwendigen Seiten für Impressum und Datenschutz. Der Vorteil: schnell realisierbar, überschaubare Kosten und jederzeit erweiterbar. Der Nachteil: Für Suchmaschinenoptimierung ist ein Onepager kaum geeignet, weil Google thematisch getrennte Unterseiten braucht, um Ihre Kompetenz in verschiedenen Rechtsgebieten zu erkennen.
Eine Website mit Unterseiten bietet Raum für eine Startseite, einzelne Rechtsgebiete, Team-Profile, einen Blog und Downloads. Sie ermöglicht gezielte SEO pro Rechtsgebiet und lässt sich durch Schnittstellen wie Online-Terminbuchung oder Onlineakten erweitern. Die Investition ist höher, aber für jede Kanzlei, die langfristig online gefunden werden will, ist das der richtige Weg.
Tipp für den Einstieg
In kleinen Städten mit wenig Online-Wettbewerb kann auch ein Onepager gut funktionieren — vor allem als Einstieg für eine Neugründung. Planen Sie aber von Anfang an, mittelfristig auf eine Website mit Unterseiten zu wechseln.
Fotos: Die wichtigste Einzelinvestition
Porträtfotos sind die wichtigsten Bilder auf einer Kanzlei-Website — und gleichzeitig die am häufigsten unterschätzte Investition. Gute Businessporträts kommunizieren Persönlichkeit, Kompetenz und Vertrauen auf den ersten Blick. Und sie sind nicht nur für die Website nutzbar: Social-Media-Profile, Kanzleiverzeichnisse, Pressearbeit und Vortragsankündigungen profitieren alle vom gleichen Bild.
Stockfotos mit perfekt gestylten Models in sterilen Konferenzräumen sagen nichts über Ihre Kanzlei. Sie sehen austauschbar aus und schaffen kein Vertrauen. Eigene Bilder von Ihrem Team und Ihren Räumlichkeiten sind durch nichts zu ersetzen — auch wenn sie eine höhere Investition bedeuten.
Investition mit Langzeitwirkung
Professionelle Businessporträts halten im Durchschnitt fünf Jahre. Ein Fototermin kostet einmalig — die Bilder arbeiten danach auf allen Kanälen für Sie. Abstimmen sollten Sie vorab: Stil (förmlich oder nahbar), Kleidung, Hintergrund und ob Teambilder dazukommen.
Für Themen- und Headbilder können hochwertige Stockfotos eine gute Ergänzung sein. Achten Sie aber auf eine konsistente Bildsprache — nicht jedes beliebige Bild passt zur Anmutung Ihrer Kanzlei. Die Farbwelt der Website (Ihre Kanzleifarbe, Akzente, Weißfläche) sollte sich auch in der Bildauswahl widerspiegeln.
Texte: Verständlich schreiben statt Juristensprech
Die drei häufigsten Fehler bei Kanzlei-Texten: zu viel und unverständlich, quasi keine Texte oder Texte von Agenturen ohne juristische Kenntnis. Gute Website-Texte informieren und überzeugen — und sie tun das sowohl für Ratsuchende als auch für Google.
Juristischer Sprachstil ist in der Fachkommunikation effizient und präzise. Für Mandanten und Suchmaschinen ist er ein Hindernis. Google bewertet Texte positiv, die ein Mensch ohne Vorwissen gut versteht. Und Ratsuchende suchen nach "Was tun bei Kündigung?", nicht nach "Kündigungsschutzklage gemäß § 4 KSchG".
- Kurze Sätze, aktive Sprache, keine Substantivierungen — "Wir beraten Sie" statt "Die Beratung erfolgt".
- Optische Struktur: Absätze, Zwischenüberschriften, Aufzählungen. Niemand liest eine Textwand.
- Sprachstil zur Kanzlei passend: Für ein Start-up-Mandat darf es lockerer sein, für Steuerstrafrecht förmlicher.
- Zielgruppengerecht: Kreative werden anders angesprochen als Geschäftsführer eines Mittelständlers.
- Mindestens 500 Wörter pro Unterseite — darunter kann Google den Inhalt kaum einordnen.
Praxistipp
Schreiben Sie den Text erst so, wie er Ihnen aus dem Kopf kommt. Wenden Sie die Regeln (kurze Sätze, aktive Sprache, keine Fachbegriffe) erst im zweiten Durchgang an. Das klingt natürlicher, als wenn Sie von Anfang an nach Schema schreiben.
Technische Grundlagen: Was unter der Haube stimmen muss
Die beste Gestaltung nützt nichts, wenn die technische Basis nicht stimmt. Google bewertet technische Faktoren direkt — und Besucher merken sofort, wenn eine Seite langsam lädt oder auf dem Smartphone schlecht funktioniert.
- SSL-Verschlüsselung (https): Absolute Pflicht. Ohne SSL zeigen Browser eine Warnung an — für eine Kanzlei, die Vertrauen verkauft, ein fatales Signal.
- Responsive Design: Die Mehrheit der Zugriffe kommt vom Smartphone. Google bewertet seit Jahren zuerst die mobile Version Ihrer Website.
- Ladezeit: Bilder komprimieren, Videos verlinken statt einbinden, schlankes Hosting. Jede Sekunde Ladezeit kostet Besucher.
- Cookie-Consent nach TTDSG: Gerade für Kanzleien, die selbst Compliance beraten, ist ein fehlerhafte Cookie-Banner peinlich. Tracking erst nach aktiver Einwilligung — kein vorausgewähltes Häkchen.
- Barrierefreiheit (BFSG): Seit Juni 2025 gelten für Dienstleister mit Verbraucherkontakt gesetzliche Anforderungen an digitale Barrierefreiheit. Ausreichende Kontraste, Tastaturnavigation, Alternativtexte für Bilder und eine logische Überschriftenstruktur sind keine Kür mehr, sondern Pflicht.
- Selbstverwaltbarkeit: Texte ändern, Bilder tauschen, neue Seiten anlegen — das muss ohne Agenturhilfe möglich sein.
Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird: Die Website sollte von Anfang an so konzipiert sein, dass Sie Inhalte selbst aktualisieren können. Ob Sie ein Rechtsgebiet ergänzen, einen Blogbeitrag veröffentlichen oder ein neues Teammitglied vorstellen — wenn Sie dafür jedes Mal die Agentur beauftragen müssen, werden Sie es nicht regelmäßig tun. Und eine Website, die nicht gepflegt wird, wirkt schnell veraltet.
Zunehmend relevant: KI-gestützte Funktionen auf der Website. Ein intelligenter Chatbot kann Erstanfragen rund um die Uhr qualifizieren — Rechtsgebiet, Sachverhalt, Dringlichkeit — und den Ratsuchenden direkt an den richtigen Ansprechpartner weiterleiten. Das ersetzt kein persönliches Gespräch, verkürzt aber die Zeit zwischen erstem Kontakt und Mandatsentscheidung erheblich.
Erst Website, dann Sichtbarkeit
Die richtige Reihenfolge ist entscheidend: Zuerst eine überzeugende Website erstellen, dann über SEO, Google Ads oder Social Media Sichtbarkeit aufbauen. Wer die Reihenfolge umdreht, schickt bezahlten Traffic auf eine Seite, die nicht konvertiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Jede Sichtbarkeitsmaßnahme — SEO, Anzeigen, Social Media — endet auf Ihrer Website. Überzeugt sie nicht in Sekunden, war die Investition umsonst.
- Ratsuchende entscheiden in Sekunden: Klare Struktur, professionelle Porträts und verständliche Sprache sind Pflicht.
- Maximal sieben Navigationspunkte. Jede Unterseite ein Thema. Fachbegriffe gehören in den Text, nicht in die Navigation.
- Eigene Kanzleifotos schaffen mehr Vertrauen als jedes Stockbild. Die Investition in professionelle Porträts zahlt sich über Jahre aus.
- Die Website muss selbst verwaltbar sein — keine monatliche Abhängigkeit von der Agentur für einfache Textänderungen.
Häufige Fragen
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