Mandanten gewinnen ist kein Zufall. Es ist ein System.
Die meisten Kanzleien verlassen sich auf Empfehlungen und persönliche Netzwerke. Das funktioniert — bis es nicht mehr reicht. Business Development macht Mandatsgewinnung planbar, messbar und skalierbar.
Was Business Development für Kanzleien bedeutet
Business Development in einer Kanzlei ist mehr als Akquise. Es umfasst die systematische Weiterentwicklung aller Mandatsbeziehungen — von der Neugewinnung über die Vertiefung bestehender Mandate bis zur Rückgewinnung ehemaliger Mandanten. Das Ziel: Wachstum planbar machen, statt sich auf Zufall und persönliche Netzwerke zu verlassen.
In der Entwicklung von Kanzleien hat sich BD über die letzten Jahrzehnte professionalisiert: von reinem Netzwerken auf Empfängen über erste Marketing-Maßnahmen bis hin zu datengetriebenen Strategien mit CRM-Systemen und definierten KPIs. Aber unabhängig vom Reifegrad gilt: BD beginnt bei den Menschen. Jeder Partner, jeder Associate kann BD betreiben — wenn die Kanzlei die richtigen Strukturen schafft.
BD ist keine Einbahnstraße
Gutes Business Development ist keine Einbahnstraße von "wir verkaufen an Sie". Es ist ein Prozess, bei dem Sie verstehen, was Ihr Mandant braucht — oft bevor er es selbst weiß. Wer echten Mehrwert bietet, muss nicht verkaufen.
Die fünf BD-Instrumente für Kanzleien
Nicht jede Kanzlei braucht alle Instrumente. Aber jede Kanzlei sollte alle kennen und bewusst entscheiden, welche in ihrer Situation am wirksamsten sind.
- Client Service: Die Grundlage. Exzellente Mandantenbetreuung schafft Zufriedenheit, Zufriedenheit schafft Empfehlungen. Klingt banal, wird aber oft vernachlässigt, sobald das Mandat läuft.
- CRM (Customer Relationship Management): Mandantendaten, Kontakthistorie, Bedarfsprofile systematisch erfassen und nutzen. Moderne CRM-Systeme mit KI-Unterstützung erkennen Muster und erinnern an überfällige Kontakte automatisch. Kein Mandant sollte durch die Ritzen fallen, weil niemand den letzten Kontakt dokumentiert hat.
- Cross-Selling: Bestehende Mandanten nach weiteren Bedarfen fragen — gezielt und strukturiert. Wenn der Arbeitsrechtsmandant auch Gesellschaftsrecht braucht, sollte das kein Zufall sein, sondern ein Prozess.
- Branchenfokus: Sich in einer oder zwei Branchen tief positionieren. Wer die Probleme einer Branche versteht, kann proaktiv beraten und wird als Sparringspartner wahrgenommen, nicht als austauschbarer Dienstleister.
- Pitching: Die strukturierte Bewerbung um Mandate — besonders bei größeren Unternehmensmandate, die ausgeschrieben werden.
Proaktiv statt reaktiv: Mehrwert bieten, bevor der Bedarf entsteht
Die meisten Kanzleien betreiben reaktives BD: Ein Mandant meldet sich, die Kanzlei reagiert. Proaktives BD dreht die Logik um: Sie bieten Ihren Mandanten und Zielgruppen Mehrwert, bevor ein konkreter Beratungsbedarf entsteht. So verankern Sie sich als erste Anlaufstelle — wenn der Bedarf dann kommt, denkt der Mandant an Sie.
- Mandantenseminare: Zu aktuellen Rechtsthemen, die Ihre Zielgruppe betreffen. Nicht als Werbeverkaufung, sondern als echte Wissensvermittlung.
- Branchen-Updates: Regelmäßige Informationen zu Rechtsänderungen, die Ihre Mandanten betreffen. Per Newsletter, LinkedIn oder als kurzes Video.
- Persönliche Impulse: "Ich habe dieses Urteil gesehen und musste an Ihre Situation denken" — ein kurzer Hinweis zeigt, dass Sie mitdenken.
- Netzwerkveranstaltungen: IHK, Wirtschaftsverbände, Branchentreffen — nicht um Visitenkarten zu sammeln, sondern um Beziehungen aufzubauen.
- Netzwerk mit komplementären Berufsgruppen: Steuerberater empfehlen Anwälte, Anwälte empfehlen Steuerberater. Notare, Unternehmensberater, Versicherungsmakler — wer ein gepflegtes Empfehlungsnetzwerk aufbaut, bekommt qualifizierte Mandate ohne Werbebudget. Gerade in regionalen Märkten wie Weimar ist dieses Netzwerk Gold wert.
Der Schlüssel: Echtes Interesse
Proaktives BD funktioniert nur, wenn der Mehrwert echt ist. Mandanten merken sofort, ob Sie ein echtes Interesse an ihrer Situation haben oder nur den nächsten Auftrag suchen. Die beste BD-Maßnahme ist ein Anruf, der nichts verkauft — sondern etwas gibt.
Pitching: Mandate gewinnen durch Verstehen, nicht durch Darstellen
Pitches sind strukturierte Bewerbungen um Mandate — besonders relevant bei größeren Unternehmens- oder Behördenmandate, die ausgeschrieben werden. Der Prozess umfasst acht Schritte: vom Empfang der Ausschreibung über die Analyse, die Teamzusammenstellung, die Erstellung der Unterlagen und die Präsentation bis zum Debriefing nach der Entscheidung.
Der häufigste Fehler: Zu viel Selbstdarstellung, zu wenig Eingehen auf den konkreten Bedarf des Mandanten. Pitches gewinnt, wer zeigt, dass er das Problem verstanden hat — nicht wer die längste Referenzliste hat.
- Zuhören und Fragen stellen: Was ist das eigentliche Problem? Was hat der Mandant bisher versucht? Was sind seine Prioritäten?
- Lösung zeigen, nicht Leistung aufzählen: "So würden wir Ihr Problem angehen" schlägt "Das können wir alles".
- Team vorstellen, das arbeiten wird: Nicht die Senior-Partner im Pitch und dann Associates in der Bearbeitung. Authentizität zählt.
- Debriefing nach jedem Pitch: Was hat funktioniert? Was nicht? Nur so werden Sie besser. Die meisten Kanzleien überspringen diesen Schritt.
Die größte Herausforderung: Akzeptanz bei den Partnern
BD-Maßnahmen funktionieren nur, wenn die Partner sie mittragen. Das ist gleichzeitig die größte Hürde: Viele Partner sehen BD als Eingriff in ihre Autonomie oder als zusätzliche Bürokratie. Die Legitimationsfrage — "Warum soll ich das tun?" — muss beantwortet werden, bevor operative Maßnahmen greifen können.
- Klein und messbar starten: Ein einzelnes Cross-Selling-Projekt, ein Mandantenseminar, ein optimiertes LinkedIn-Profil. Ergebnisse zeigen, nicht Konzepte verkaufen.
- Als Unterstützung positionieren: BD-Teams müssen den Partnern Arbeit abnehmen, nicht aufgeben. Recherche, Vorlagen, Kontaktpflege — alles, was dem Partner Zeit spart.
- Erfolge intern kommunizieren: Jedes gewonnene Mandat, jede neue Verbindung, jede positive Rückmeldung sichtbar machen. Erfolg ist der beste Überzeuger.
- Servicestandards definieren: Was dürfen Mandanten erwarten? Reaktionszeiten, Erreichbarkeit, Qualität der Kommunikation — klare Standards reduzieren Diskussionen und schaffen Verbindlichkeit.
Geduld ist Pflicht
Kulturveränderung braucht Zeit. Rechnen Sie mit eineinhalb bis zwei Jahren, bis eine systematische BD-Strategie in einer Kanzlei vollständig akzeptiert und gelebt wird. Wer nach drei Monaten aufgibt, hat nie wirklich angefangen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Business Development ist die systematische Weiterentwicklung der Mandatsbeziehungen einer Kanzlei — nicht nur Neukundengewinnung, sondern auch Cross-Selling und Mandantenbindung.
- Die fünf BD-Instrumente: Client Service, CRM, Cross-Selling, Branchenfokus und Pitching. Nicht alle sind für jede Kanzlei gleich relevant — wählen Sie nach Ihrer Situation.
- Proaktives BD bedeutet: Nicht warten, bis der Mandant kommt, sondern Mehrwert bieten, bevor ein konkreter Bedarf entsteht — Mandantenseminare, Branchenberichte, persönliche Impulse.
- Akzeptanz bei den Partnern ist die größte Herausforderung. BD-Maßnahmen funktionieren nur, wenn sie als Unterstützung wahrgenommen werden, nicht als Kontrolle.
- Pitches gewinnt, wer den Mandanten versteht — nicht wer sich am längsten selbst darstellt. Zuhören, Fragen stellen, Lösungen aufzeigen.
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